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Fachwissen

Gamut / Farbumfang

Gamut erklärt: Referenzwerte für gestrichenes und ungestrichenes Papier, Gamut-Mapping und Farbumfang-Warnung.

Von Hirsch Printmedien

Unscharfe Nahaufnahme schillernder Farbverläufe
Mit einem Blick auf den Farbumfang erkennen Sie, welche Farben Ihr Ausgabeverfahren wiedergeben kann.

Kurzantwort: Der Gamut (Farbumfang) ist die Menge aller Farben, die ein Gerät oder eine Druckbedingung wiedergeben kann. Er lässt sich beispielsweise im Farbraum CIELAB beschreiben und hängt im Druck von Papier, Druckfarben und Gesamtfarbauftrag ab: Nach den Fogra-Charakterisierungsdaten erreicht Magenta-Vollton auf gestrichenem Papier (FOGRA51) eine Buntheit von rund C* 75, auf stark aufgehelltem holzfreiem ungestrichenem Referenzpapier (FOGRA52) nur rund C* 60; der Schwarz-Vollton ist mit L* 16 gegenüber L* 33 deutlich tiefer. Farben außerhalb des Gamuts werden bei der Umrechnung per Rendering Intent auf druckbare Farben abgebildet. Für CMYK-Inhalte simuliert ein Proof den Gamut der gewählten Druckbedingung; Sonderfarben werden gesondert referenziert. Stand: 9. Oktober 2026.

Warum nicht alle Farben druckbar sind

Ein Monitor mischt Licht und kann sehr gesättigte Farben darstellen. Im Druck entsteht Farbe dagegen durch Druckfarben, die Licht vom weißen Papier schlucken. Wie bunt und wie dunkel eine gedruckte Farbe werden kann, begrenzen die Druckfarben, das Papier und der maximal erlaubte Gesamtfarbauftrag. Besonders betroffen sind:

  • leuchtende Blau-, Cyan- und Grüntöne, die am Monitor brillant wirken,
  • intensives Orange und Violett, die mit CMYK nur gedämpft erreichbar sind,
  • Neon- und Metallicfarben, die sich mit Prozessfarben grundsätzlich nicht drucken lassen.

Gamut gestrichen und ungestrichen im Vergleich

Die folgende Tabelle zeigt die Volltöne der Referenzdaten FOGRA51 und FOGRA52 unter Messbedingung M1. Sie beschreibt ausgewählte Farbpunkte, kein vollständiges Gamut-Volumen. C* = √(a*² + b*²) ist die Buntheit (je höher, desto bunter), L* die Helligkeit (je niedriger, desto dunkler).

VolltonFOGRA51 gestrichen (PSO Coated v3)FOGRA52 ungestrichen (PSO Uncoated v3)
CyanC* 63,1C* 53,1
MagentaC* 75,5C* 60,2
GelbC* 92,5C* 72,4
SchwarzL* 16,0L* 32,7

In diesen Referenzdaten sind die Volltöne des ungestrichenen Papiers weniger bunt und der Schwarz-Vollton heller. Eine Datei, die für gestrichenes Papier separiert wurde, kann auf ungestrichenem Papier nach FOGRA52 deshalb flacher wirken. Prüfen Sie die Wirkung mit einem Proof in der von Ihrer Druckerei vorgegebenen Referenz, bei stark aufgehelltem holzfreiem ungestrichenem Papier etwa PSO Uncoated v3.

Gamut-Mapping: was mit Farben außerhalb passiert

Das Farbmanagement bildet Farben außerhalb des Ziel-Gamuts auf wiedergebbare Farben ab. Diese Abbildung heißt Gamut-Mapping und wird über den Rendering Intent gesteuert:

  • Perzeptiv bildet Farben profilabhängig ab, damit Verläufe erhalten bleiben; auch druckbare Farben können sich dabei verändern.
  • Relativ farbmetrisch übernimmt druckbare Farben nach Weißpunktanpassung möglichst unverändert und bildet Farben außerhalb üblicherweise auf den Rand des Ziel-Gamuts ab (Clipping; von ICC nicht vorgeschrieben); feine Abstufungen in gesättigten Bereichen können dabei zusammenfallen.

Welcher Intent besser ist, hängt vom Motiv ab. Bei Fotos mit vielen sehr gesättigten Farben wirkt perzeptiv oft natürlicher, bei Logos und Flächenfarben relativ farbmetrisch.

Gamut-Warnung nutzen

Photoshop und andere Programme markieren auf Wunsch alle Farben, die im gewählten Druckprofil nicht darstellbar sind („Farbumfang-Warnung“). Stellen Sie dafür das Profil der Druckbedingung als Proof-Profil ein, etwa PSO Coated v3. So erkennen Sie kritische Bereiche schon bei der Gestaltung. Ein gewöhnlicher Bildschirm zeigt nur eine Tendenz. Für eine belastbare Referenz benötigen Sie einen geprüften Hardproof oder einen validierten Softproofprozess.

Gamut des Proofsystems

Ein Proofdrucker muss die Druckbedingung vollständig darstellen können; sein eigener Gamut muss deshalb den Gamut der simulierten Druckbedingung abdecken. Die Fogra prüft bei der Contract-Proof-Creation-Zertifizierung auch den Farbumfang anhand der ISO-12642-2-Testtafel; ein einzelner Medienkeil ersetzt diese Systemprüfung nicht. Viele Sonderfarben lassen sich im Proofsystem simulieren, auch wenn sie außerhalb des CMYK-Gamuts der Auflage liegen. Die Simulation bleibt aber auf den Farbumfang des Proofsystems begrenzt.

Mehr Farbumfang im Druck

Reicht der CMYK-Gamut nicht aus, gibt es zwei Wege: Einzelne kritische Farben werden als Sonderfarbe gedruckt, etwa ein Markenblau als Pantone- oder HKS-Farbe. Oder die Druckerei arbeitet mit einem erweiterten Farbsatz aus mehr als vier Prozessfarben, für den es eigene Charakterisierungsdaten gibt. Der Proof muss die vereinbarte Druckbedingung simulieren können; stimmen Sie das vorab mit Ihrer Druckerei ab. Unser Bestellprozess bietet vier CMYK-Referenzen für Bogenoffset. Eine erweiterte Druckbedingung mit mehr als vier Prozessfarben ist dort keine wählbare Option.

Häufige Fragen zum Gamut

Was ist der Unterschied zwischen Gamut und Farbraum?

Ein Farbraum wie CIELAB ist das Koordinatensystem, der Gamut der Bereich darin, den ein bestimmtes Gerät oder eine Druckbedingung tatsächlich erreicht. Umgangssprachlich werden beide Begriffe oft gleich verwendet.

Kann ein Proof mehr Farben zeigen, als später gedruckt werden?

Für CMYK-Inhalte simuliert ein farbverbindlicher Proof den Farbumfang der vereinbarten Prozessdruckbedingung. Als eigene Separation angelegte Sonderfarben können darüber hinausgehen; ihre Simulation ist durch den Farbumfang des Proofsystems begrenzt.

Warum wirkt mein Blau im Druck stumpfer als am Monitor?

Leuchtende Blautöne liegen oft außerhalb des CMYK-Gamuts. Bei der Umrechnung werden sie abhängig von Profil und Rendering Intent auf wiedergebbare Farben abgebildet; dabei können sie an Sättigung verlieren.

Was unterscheidet die Referenzpapiere FOGRA51 und FOGRA52?

Nach den Charakterisierungsdaten FOGRA52 sind Volltöne auf ungestrichenem Papier deutlich weniger bunt und Schwarz deutlich heller als auf gestrichenem Papier nach FOGRA51.

Fachliche Quellen

Ob Ihre Farben im Druck so wirken wie geplant, zeigt ein farbverbindlicher Proof in einer der wählbaren Referenzen, passend zur Vorgabe Ihrer Druckerei.