Kurzantwort: Farbmanagement (englisch Color Management, oft auch „Colormanagement“) sorgt dafür, dass eine Farbe von der Kamera über den Monitor bis zum Druck vorhersagbar wiedergegeben wird. Im üblichen Geräteprofil-Workflow beschreiben ICC-Profile die Geräte beziehungsweise Druckbedingungen; die Umrechnung erfolgt über einen geräteunabhängigen Verbindungsraum (CIELAB oder CIEXYZ). Für den Bogenoffsetdruck auf gestrichenem Papier ist PSO Coated v3 auf Basis der Fogra-Charakterisierungsdaten FOGRA51 das Standardprofil. Ein Proof macht das Ergebnis sichtbar und mit dem Medienkeil messbar. Stand: 9. Oktober 2026.
Warum sehen Farben überall anders aus?
Ein CMYK-Wert wie 100 % Cyan ist keine Farbe, sondern eine Steueranweisung. Welche Farbe dabei entsteht, hängt von Druckfarbe, Papier, Druckverfahren und Tonwertzunahme ab. Dasselbe gilt für RGB-Werte am Monitor. Jedes Gerät hat einen eigenen Farbumfang:
- Monitore mischen Licht (RGB) und können sehr gesättigte Farben darstellen.
- Offsetdruck arbeitet mit Druckfarben auf Papier; sein Farbumfang hängt stark vom Papier ab und überlappt nur teilweise mit Monitorfarbräumen; keiner umfasst immer den anderen. Auf ungestrichenem Naturpapier ist er kleiner als auf gestrichenem Bilderdruckpapier.
- Proofdrucker arbeiten mit mehreren Inkjet-Tinten und müssen das Verhalten einer bestimmten Druckbedingung nachbilden.
Ohne Farbmanagement würde dieselbe Datei auf jedem dieser Geräte anders aussehen, ohne dass sich die Abweichung vorhersagen ließe.
Wie funktioniert Farbmanagement?
Ein Farbmanagement-System besteht aus drei Bausteinen:
- Geräteunabhängiger Farbraum: CIELAB (L*, a*, b*) und CIEXYZ beschreiben Farben geräteunabhängig. Geräteprofile verwenden einen dieser Räume als Profile Connection Space (PCS).
- ICC-Profile: Sie beschreiben, welche Lab-Farbe ein Gerät oder eine Druckbedingung bei bestimmten Steuerwerten erzeugt. Grundlage für Druckprofile sind Charakterisierungsdaten, also Messwerte von standardisierten Testdrucken.
- Farbumrechnung (CMM): Das Color Management Module rechnet mit Quell- und Zielprofil von einem Farbraum in den anderen. Wie Farben außerhalb des Zielfarbraums behandelt werden, legt der Rendering Intent fest.
Standardprofile für den Druck
Damit nicht jede Druckerei eigene Profile verteilt, gibt es Referenz-Druckbedingungen. Die Fogra veröffentlicht die Charakterisierungsdaten, die European Color Initiative (ECI) die passenden ICC-Profile. Diese vier Druckbedingungen bietet proof-drucken.de an:
| ICC-Profil (ECI) | Charakterisierungsdaten | Papier |
|---|---|---|
| PSO Coated v3 | FOGRA51 | gestrichen, mäßig optisch aufgehellt (Papiertyp PS1) |
| PSO Uncoated v3 | FOGRA52 | ungestrichen, stark optisch aufgehellt (PS5) |
| ISO Coated v2 | FOGRA39 | gestrichen, ältere Referenz (Papiertyp 1/2) |
| PSO Uncoated ISO12647 | FOGRA47 | ungestrichen weiß, ältere Referenz (Papiertyp 4) |
Welche Referenz für Ihren Auftrag gilt, gibt die Druckerei vor. Hintergründe zur Profilwahl erläutert der Beitrag Welches Proofprofil brauche ich?.
Farbmanagement im Proof-Workflow
Beim Proofing laufen zwei Profile zusammen: das Profil der zu simulierenden Druckbedingung und das Profil des Proofdruckers auf seinem Proofpapier. Die Proofsoftware rechnet die CMYK-Daten in der Regel absolut farbmetrisch vom Druckfarbraum in den Farbraum des Proofdruckers um. So wird auch das Papierweiß der Druckbedingung auf dem Proofpapier nachgebildet. Ob das gelungen ist, zeigt die Messung des mitgedruckten Medienkeils: Nach ISO 12647-7:2016 darf zum Beispiel der Mittelwert aller Felder höchstens 2,5 ΔE00 von den Sollwerten abweichen.
Wichtig für Sie als Datenlieferant: Das Profil im PDF (Output Intent) sollte zur Druckbedingung passen, die auch der Proof simuliert. Sonst prüft der Proof eine andere Situation als die spätere Produktion. Mehr dazu unter Output Intent in PDF/X.
Typische Fehler im Farbmanagement
- Falsches Zielprofil: Daten für Naturpapier werden mit einem Profil für gestrichenes Papier separiert. Das Ergebnis wirkt im Druck zu dunkel und zu schwer.
- Doppelte Konvertierung: Bereits separierte CMYK-Daten werden erneut umgerechnet. Schwarzaufbau und Gesamtfarbauftrag können sich dabei ändern. Geeignete DeviceLink-Konvertierungen können sie gezielt erhalten.
- Unkalibrierter Monitor: Farbentscheidungen fallen am Bildschirm, ohne dass Helligkeit und Weißpunkt definiert sind.
- Beurteilung unter Mischlicht: Der Proof wird unter Bürolicht statt unter Normlicht D50 abgemustert.
- Messbedingung vergessen: Messwerte nach M0 und M1 werden miteinander verglichen, obwohl sie bei optisch aufgehellten Papieren nicht austauschbar sind.
Häufige Fragen zum Farbmanagement
Ist Colormanagement dasselbe wie Farbmanagement?
Ja. „Colormanagement“ ist die eingedeutschte Schreibweise des englischen Color Management. Gemeint ist in beiden Fällen das profilbasierte Verfahren nach dem ICC-Standard.
Welches ICC-Profil brauche ich für den Offsetdruck?
Das gibt Ihre Druckerei vor. Für Bogenoffset auf gestrichenem Papier ist PSO Coated v3 (FOGRA51) der aktuelle Standard, für ungestrichenes Papier PSO Uncoated v3 (FOGRA52). Viele Druckereien arbeiten zusätzlich noch mit ISO Coated v2 (FOGRA39).
Reicht ein kalibrierter Monitor statt eines Proofs?
Für Layout- und Inhaltskontrollen oft ja. Ein gewöhnlicher kalibrierter Monitor allein genügt für eine farbverbindliche Freigabe nicht. Dafür braucht ein Softproof einen validierten Gesamtprozess mit geeigneter Umgebung und Betrachtung. Der gedruckte Proof mit Medienkeil ist messbar und lässt sich unter Normlicht neben den Auflagendruck legen.
Was bedeutet M1 beim Farbmanagement?
M1 ist eine Messbedingung nach ISO 13655, bei der die Messbeleuchtung D50 einschließlich UV-Anteil entspricht. Die Charakterisierungsdaten FOGRA51 und FOGRA52 wurden mit M1 gemessen, damit optische Aufheller im Papier berücksichtigt werden.
Fachliche Quellen
- bvdm: MedienStandard Druck 2018, Tabelle 30 (Medienkeil-Toleranzen nach ISO 12647-7:2016)
- International Color Consortium: ICC.1:2022, Spezifikation des ICC-Profilformats
- Fogra: Charakterisierungsdaten FOGRA39, FOGRA47, FOGRA51 und FOGRA52
- European Color Initiative (ECI): Offsetprofile ISO Coated v2, PSO Uncoated ISO12647, PSO Coated v3 und PSO Uncoated v3
- ISO 13655:2017 – Spektrale Messung und farbmetrische Berechnung (Messbedingungen M0 bis M3)
- bvdm: MedienStandard Druck 2018, Standard-Druckbedingungen und Prüfdruck
Am Ende des Farbmanagement-Workflows können Sie Ihre Datei als Fogra-Proof prüfen lassen – in einer der vier Druckbedingungen, im Format DIN A5 bis DIN A2.
