Kurzantwort: Sonderfarben wie Pantone oder HKS werden im Proof nicht mit der echten Druckfarbe gedruckt, sondern aus den Tinten des Proofdruckers farbmetrisch simuliert. Für die Volltöne simulierter Sonderfarben nennt ISO 12647-7:2016 eine Toleranz von höchstens 2,5 ΔE00 gegenüber dem vereinbarten Sollwert. Metallic- und Neon-Effekte lassen sich nicht real nachbilden; sehr leuchtende Farbtöne können außerhalb des Proof-Farbumfangs liegen. Voraussetzung für eine korrekte Simulation ist, dass die Sonderfarbe im PDF als eigene Separation mit eindeutigem Namen angelegt ist, etwa „HKS 8 K“ oder „PANTONE 300 C“. Stand: 9. Oktober 2026.
Sonderfarben (auch Schmuckfarben oder Spot Colors) sind vorgemischte Druckfarben, die mit einer eigenen Druckform gedruckt werden und nicht aus den vier Prozessfarben des CMYK-Drucks entstehen. Die verbreitetsten Systeme sind Pantone und HKS. Beide geben dieselbe Farbe für gestrichenes und ungestrichenes Papier getrennt an: Pantone mit den Endungen C (coated) und U (uncoated), HKS mit K (Kunstdruckpapier, gestrichen) und N (Naturpapier, ungestrichen).
Wie wird eine Sonderfarbe im Proof simuliert?
Der Proof-RIP liest den Namen jeder Separation im PDF und sucht dazu den Sollfarbwert in einer hinterlegten Farbbibliothek. Diesen Lab-Wert berechnet das Farbmanagement anschließend als Mischung der Proofdrucker-Tinten. Ein moderner Proofdrucker arbeitet mit deutlich mehr als vier Tinten und erreicht dadurch einen größeren Farbumfang als der Offsetdruck in CMYK. Deshalb lassen sich viele Sonderfarben sichtbar genauer simulieren, als es eine Umrechnung in vier Prozessfarben erlauben würde.
Bei proof-drucken.de sind unter anderem HKS K und HKS N sowie mehrere Pantone-Bibliotheken (Solid coated, uncoated, matte, Plus, Pastels & Neons und weitere) hinterlegt. Die vollständige Liste steht in den FAQ. Nach dem Upload zeigt Ihnen der Bestellprozess, welche Sonderfarben als Separation in Ihrer Datei erkannt wurden.
Was der Proof bei Sonderfarben leisten kann
| Fall | Was der Proof zeigt | Worauf Sie achten sollten |
|---|---|---|
| Vollton im Farbumfang des Proofsystems | Farbmetrische Simulation des Sollwerts | ISO 12647-7:2016: höchstens 2,5 ΔE00 je simuliertem Sonderfarben-Vollton, gegebenenfalls auch Halb-/Rastertönen |
| Metallic-Farben (z. B. Pantone 871 bis 877) | Nur eine farbliche Annäherung | Glanz und Metalleffekt fehlen, weil der Proof keine Metallpigmente enthält |
| Neonfarben (z. B. Pantone 801 bis 814) | Nur eine Annäherung | Die Leuchtkraft fluoreszierender Druckfarben ist mit Proof-Tinten nicht erreichbar |
| Sonderfarbe ohne Papierzuordnung (z. B. „HKS 8“) | Keine eindeutige Simulation | Die Software kann nicht entscheiden, ob K oder N gemeint ist |
Der CMYK-Medienkeil und sein Messprotokoll enthalten keine Sonderfarb-Messfelder; ihre Auswertung belegt daher nicht die Genauigkeit einer einzelnen Sonderfarbe. Eine gemessene Sonderfarben-Abweichung ist im Standardumfang des 72-Felder-Messprotokolls nicht enthalten. Kennzeichnen Sie Sonderfarben, die das Proofsystem nicht simulieren kann (siehe Hinweise zu schwer proofbaren Sonderfarben); für die Freigabe sollten Sie ein physisches Muster der gewünschten Farbe bereithalten. Das ist kein mitgelieferter Bestandteil unseres Proof-Angebots. In der Praxis ist das der aktuelle Farbfächer oder ein Andruck mit der echten Druckfarbe.
Sonderfarben richtig anlegen
- Exakter Bibliotheksname: Übernehmen Sie die Farbe aus der Farbbibliothek Ihres Layoutprogramms. Selbst vergebene Namen wie „Hausrot“ lassen sich nicht automatisch einer Standardbibliothek zuordnen. Prüfen Sie, ob ein exakter Bibliotheksname verwendet werden kann; eine kundeneigene Farbdefinition ist im Shop nicht als Standardleistung ausgewiesen.
- Papierzuordnung mitführen: „HKS 8 K“ und „HKS 8 N“ sind zwei verschiedene Sollwerte. Wählen Sie die Variante, die zum Auflagenpapier passt.
- Als Separation stehen lassen: Wird die Sonderfarbe im Auflagendruck als eigene Farbe gedruckt, exportieren Sie das PDF mit der Sonderfarbe und wandeln Sie sie nicht in CMYK. PDF/X-4 und PDF/X-1a unterstützen Sonderfarben.
- Bei reinem Vierfarbdruck wandeln: Soll der Auftrag ausschließlich in CMYK gedruckt werden, gehört die Umrechnung in das passende CMYK-Profil zur Datenaufbereitung. Dann zeigt der Proof genau dieses CMYK-Ergebnis.
- Überdrucken prüfen: Sonderfarben über oder unter CMYK-Elementen verhalten sich je nach Überdruckeinstellung unterschiedlich. Kontrollieren Sie das in der Ausgabevorschau, siehe Überdrucken in Druckdaten.
Gestrichen oder ungestrichen: warum die Endung zählt
Dieselbe Sonderfarbe wirkt auf Naturpapier deutlich anders als auf gestrichenem Papier: Das ungestrichene Papier nimmt mehr Farbe auf, Volltöne werden flacher und weniger brillant. Die Farbbibliotheken bilden diesen Unterschied über getrennte Sollwerte ab. Passen Sie deshalb drei Dinge aufeinander an: die Endung der Sonderfarbe, das Proofprofil für die CMYK-Anteile und das spätere Auflagenpapier. Ein Proof nach PSO Uncoated v3 mit „PANTONE 300 C“ mischt zwei Papierwelten und liefert keine stimmige Vorhersage.
Was der Proof bei Sonderfarben nicht zeigt
Der Proof beurteilt den Farbton, nicht das Material. Glanz, Lackierungen, Deckweiß, Metallic-Effekte und das Verhalten einer Sonderfarbe auf einem besonderen Bedruckstoff lassen sich nur mit der echten Druckfarbe prüfen, zum Beispiel per Andruck. Auch Farbbibliotheken ändern sich: Pantone überarbeitet seine Bibliotheken regelmäßig. Vergleichen Sie bei Markenfarben deshalb mit dem aktuellen Farbfächer und halten Sie fest, welche Bibliothek gelten soll.
Häufige Fragen zu Sonderfarben im Proof
Kann man Pantone- und HKS-Farben proofen?
Ja, als farbmetrische Simulation. Der Proofdrucker druckt keine echte Pantone- oder HKS-Farbe, sondern mischt den Sollfarbwert aus seinen Tinten. Die meisten Töne lassen sich so gut simulieren; Metallic-, Neon- und sehr gesättigte Farben nur angenähert.
Welche Toleranz gilt für Sonderfarben im Proof?
ISO 12647-7:2016 verlangt für die Volltöne simulierter Sonderfarben und gegebenenfalls Halb-/Rastertöne höchstens 2,5 ΔE00 Abweichung zum Sollwert, soweit die Farben im erreichbaren Proof-Farbumfang liegen. Ob eine einzelne Sonderfarbe diese Grenze einhält, zeigt das Standardprotokoll des CMYK-Medienkeils nicht. Sollwerte für Rastertöne müssen die Beteiligten gesondert vereinbaren.
Muss ich Sonderfarben vor dem Upload in CMYK umwandeln?
Nein, wenn die Sonderfarbe später als eigene Druckfarbe gedruckt wird: Dann bleibt sie im PDF als Separation erhalten, damit der Proof sie simulieren kann. Nur wenn der Auftrag ausschließlich vierfarbig gedruckt wird, wandeln Sie vorab mit dem Profil der Druckbedingung in CMYK.
Warum sieht HKS 8 K anders aus als HKS 8 N?
K steht für gestrichenes, N für ungestrichenes Papier. Beide Varianten haben eigene Sollwerte, weil dieselbe Druckfarbe auf Naturpapier anders wirkt. Ohne Endung kann die Proofsoftware die Farbe nicht eindeutig zuordnen.
Lassen sich Metallic- und Neonfarben proofen?
Nur als Annäherung an den Farbton. Metallpigmente und Fluoreszenz kann ein Inkjet-Proof nicht nachbilden. Für die Wirkung dieser Farben brauchen Sie ein Muster mit der echten Druckfarbe.
Fachliche Quellen
- Fogra Extra 36: Proofing und die Grenzen der Sonderfarbsimulation
- ISO 12647-7:2016 – Proofing processes working directly from digital data
- bvdm: MedienStandard Druck 2018, A.1.3 (Mehrkomponentenfarben) und Tabelle 30 (Prüfdruckkontrolle)
- HKS: Farbsystem und Farbfächer
Ihren Sonderfarben-Proof bestellen Sie bei proof-drucken.de direkt im Bestellprozess: PDF mit korrekt benannten Sonderfarben hochladen, Profil wählen, fertig.
