Der Gesamtfarbauftrag (engl. TAC = Total Area Coverage oder TIC = Total Ink Coverage) beschreibt die Summe der CMYK-Rasterwerte (Tonwertsumme) an einem Punkt. Ein dunkler Schatten mit 70%C + 60%M + 60%Y + 40%K liegt zum Beispiel bei 230% Farbauftrag.
In der Druckvorstufe ist dieser Wert wichtig, weil Papier und Druckmaschine nur eine bestimmte Farbmenge sauber aufnehmen können. Zu viel Farbe trocknet schlechter, kann auf den nächsten Bogen ablegen (Set-off), Details in Tiefen zulaufen lassen oder später beim Schneiden und Falzen Probleme machen. Deshalb begrenzen passende ICC-Profile den maximalen Farbauftrag bereits bei der Separation.
Welche TAC-Werte sind üblich?
Der sinnvolle Grenzwert hängt von Druckverfahren, Papier, Maschine und Trocknung ab. In der Praxis begegnen Ihnen vor allem diese Größenordnungen:
- Gestrichene Papiere: im Bogenoffset häufig um 300–330% (z. B. ISO Coated v2 kann bis 330% gehen; ISO Coated v2 300% ist auf 300% begrenzt)
- Ungestrichene Papiere: im Bogenoffset profilabhängig: PSO Uncoated (FOGRA47) 320 %, PSO Uncoated v3 (FOGRA52) 300 %
In modernen Workflows kommen heute häufig PSO Coated v3 (FOGRA51) oder PSO Uncoated v3 (FOGRA52) mit jeweils 300 % maximaler Tonwertsumme zum Einsatz. Ältere Datenbestände oder Druckereivorgaben arbeiten aber weiterhin oft mit ISO Coated v2 oder ISO Coated v2 300%.
Wichtig ist weniger die eine „richtige“ Zahl als die passende Zielbedingung. Manche Druckereien arbeiten aus Prozessgründen mit niedrigeren Hausstandards. Wenn Ihre Druckerei einen Grenzwert oder ein Profil vorgibt, hat diese Vorgabe Vorrang – und Ihr Proof sollte genau dieses Proofprofil simulieren.
TAC-Kontrolle im PDF
Am schnellsten prüfen Sie kritische Stellen direkt im PDF-Workflow:

- Adobe Acrobat Pro: Ausgabevorschau → Vorschau „Farbauszüge“ wählen → „Gesamtfarbauftrag“ aktivieren → Grenzwert (z. B. 300%) setzen. Bereiche über dem Limit werden farblich markiert.
- InDesign: Die Separationsvorschau bietet „Farbauftrag“ mit numerischem Grenzwert; Bereiche über dem Limit werden hervorgehoben. Auch Acrobat Pro und geeignete Preflight-Profile können die Summe prüfen.
Typische Ursachen
- „Registration“/Passermarke als Farbe: Diese entspricht 100% auf allen Auszügen (C+M+Y+K) und liegt damit immer bei 400% – für Gestaltungselemente tabu.
- Zu schweres Tiefschwarz: Ein selbstgebautes Tiefschwarz („Rich Black“) kann schnell über das Limit schießen. 60C 40M 40Y 100K ergibt 240 % TAC und liegt damit unter einem Limit von 300 %. Eine Mischung 100C 100M 100Y 100K ergibt dagegen 400 % und darf nicht als Tiefschwarz für Flächen verwendet werden.
- Falsche Ausgabebedingung: Wenn das falsche CMYK-Profil verwendet wird, können Bilder/Flächen unnötig viel Farbe enthalten oder schlecht separiert sein.
- Nachträgliche CMYK-Kurvenkorrekturen: Nach einer Profilkonvertierung können manuelle Anpassungen den TAC wieder erhöhen.
Was ein Proof zusätzlich sichtbar macht
Ein Proof ersetzt zwar keine technische Druckfreigabe, zeigt aber die Farbwirkung und Tiefenzeichnung der simulierten Druckbedingung. Den Gesamtfarbauftrag selbst prüfen Sie in den Daten; Trocknung und Ablegen simuliert der Inkjet-Proof nicht. Vor allem dunkle Bildbereiche, große Farbflächen und Verläufe lassen sich am Proof deutlich besser beurteilen als am unkalibrierten Monitor. In Kombination mit sauberem Farbmanagement sinkt das Risiko, dass im Auflagendruck Schatten zulaufen oder Flächen schwer und unruhig wirken.
Wenn Sie unsicher sind, prüfen Sie zuerst Ihre Dateianforderungen (Profil/Output-Intent, PDF/X, Sonderfarben) – und wählen Sie beim Proof exakt das Profil, das später gedruckt wird.
Fachliche Quellen
- bvdm: MedienStandard Druck 2018, Abschnitt B.2.5, Tabelle 16 und Tabelle 19 (maximale Tonwertsumme und Profilwerte)
- European Color Initiative (ECI): Standardprofile
- Adobe Acrobat Pro: Ausgabevorschau und Gesamtfarbauftrag
- Adobe InDesign: Separationsvorschau und Farbauftrag
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