Ein ICC-Profil (International Color Consortium) ist eine standardisierte Datei, die beschreibt, wie ein Gerät oder Druckverfahren mit Farbe umgeht. Es enthält Informationen über den erreichbaren Farbumfang, den Weißpunkt, Tonwertverhalten und die Umrechnung zwischen geräteabhängigen Farbwerten und einem geräteunabhängigen Referenzfarbraum. Ohne ICC-Profile wäre professionelles Farbmanagement kaum möglich.
Für den Proof ist das ICC-Profil besonders wichtig, weil der Proof eine konkrete Druckbedingung simuliert. Es reicht also nicht, dass eine Datei irgendwie in CMYK vorliegt. Entscheidend ist, für welches Papier, welches Druckverfahren und welchen Standard diese CMYK-Werte gedacht sind. Ein und derselbe CMYK-Wert kann auf gestrichenem Papier anders wirken als auf ungestrichenem Naturpapier.
Wie funktionieren ICC-Profile?
Jedes ICC-Profil enthält Umrechnungstabellen oder mathematische Beschreibungen, die gerätespezifische Farbwerte in den Lab-Farbraum übersetzen. Lab ist ein geräteunabhängiger Farbraum, der als Vermittler zwischen Monitor, Druckdatei, Proofsystem und Auflagendruck dient. Wenn eine Software Farben von RGB nach CMYK, von einem CMYK-Profil in ein anderes oder für einen Softproof umrechnet, nutzt sie diese Profilinformationen.
In der Praxis arbeitet das Farbmanagement mit Quellprofil und Zielprofil. Das Quellprofil beschreibt, was die vorhandenen Farbwerte bedeuten. Das Zielprofil beschreibt, wohin die Farben umgerechnet werden sollen. Beim Proof ist das Ziel häufig eine standardisierte Druckbedingung, zum Beispiel ISO Coated v2 oder PSO Coated v3. Die Proofsoftware simuliert dann genau diese Bedingung auf dem Proofdrucker.
Wichtige Profile für den Proof
- ISO Coated v2 / Fogra 39: klassische Referenz für gestrichenes Bilderdruckpapier im europäischen Offsetdruck. In vielen bestehenden Workflows weiterhin verbreitet.
- PSO Coated v3 / Fogra 51: aktuellerer Standard für gestrichene Papiere nach ISO 12647-2:2013.
- PSO Uncoated / Fogra 47: Referenz für ungestrichene Natur- und Offsetpapiere mit deutlich kleinerem Farbumfang.
- PSO Uncoated v3 / Fogra 52: neuerer Standard für ungestrichene Papiere.
- ISOWebCoated: Profilfamilie für Rollenoffset und Zeitschriftendruck.
Output Intent und eingebettete Profile
Bei PDF/X-Dateien spielt der Output Intent eine zentrale Rolle. Er benennt die Druckbedingung, für die die PDF-Datei vorbereitet wurde. Wenn der Output Intent sauber gesetzt ist, kann die Druckvorstufe erkennen, ob die Datei zum gewünschten Proofprofil passt. Fehlt diese Information oder ist sie widersprüchlich, muss fachlich entschieden werden, welche Zielbedingung tatsächlich gemeint ist.
Ein häufiger Fehler ist, dass Bilder zwar in CMYK konvertiert wurden, aber nicht zum späteren Druckprofil passen. Ein Bild für ungestrichenes Papier kann auf gestrichenem Papier flach wirken; ein Bild für gestrichenes Papier kann auf Naturpapier zu dunkel oder zu gesättigt erscheinen. Der Proof macht solche Abweichungen sichtbar, wenn das richtige Zielprofil gewählt wurde.
Das richtige Profil wählen
Entscheidend ist immer die spätere Produktion. Wird auf gestrichenem Bilderdruckpapier im Bogenoffset produziert, sind ISO Coated v2 oder PSO Coated v3 typische Kandidaten. Bei ungestrichenem Papier braucht es ein Uncoated-Profil. Bei Verpackungsdruck, Digitaldruck oder Sonderprozessen kann ein eigenes Profil der Druckerei erforderlich sein.
Wenn die Druckerei ein Profil vorgibt, sollte genau dieses Profil verwendet werden. Gibt es keine Vorgabe, entscheidet man nach Papierklasse und Produktionsstandard. Bei Unsicherheit ist es besser, vor dem Proof kurz nachzufragen, statt eine Datei mit falscher Annahme freizugeben.
Was passiert bei einem falschen Profil?
Ein falsch gewähltes Profil führt nicht zwangsläufig zu einem technischen Fehler, aber zu einer falschen Farberwartung. Der Proof zeigt dann korrekt, was unter der gewählten Simulation passiert, aber nicht unbedingt das spätere Druckergebnis. Typische Folgen sind veränderte Hauttöne, zulaufende Schatten, zu kräftige Flächen, matte Bilder oder abweichende Graubalance.
Deshalb gehören ICC-Profil, PDF/X-Output-Intent, Proofprofil und spätere Druckbedingung zusammen. Nur wenn diese Kette stimmig ist, kann der Proof als verlässliche Farbreferenz dienen.
