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Fachwissen

Normlicht (D50)

Normlicht D50 nach ISO 3664: Beleuchtungsstärke, UV-Anteil, Metamerie und wie Sie grobe Lichtabweichungen erkennen.

Von Hirsch Printmedien

Schreibtisch mit Monitor und Lampe in kräftigem blauem Licht
Unter Normlicht D50 beurteilen Sie Proof und Auflagendruck unter vergleichbaren Bedingungen.

Kurzantwort: Proofs und Drucke werden unter Normlicht D50 beurteilt – einer genormten Tageslicht-Lichtart mit einer ähnlichsten Farbtemperatur von rund 5000 Kelvin. Die Betrachtungsbedingungen regelt ISO 3664, aktuell in der Ausgabe 2025. Für den kritischen Vergleich von Proof und Druck nennt der bvdm MedienStandard Druck 2018 nach der Vorgängerausgabe ISO 3664:2009 eine Beleuchtungsstärke von 2000 lx ± 500 lx (Bedingung P1). Unter Bürolicht, LED-Mischlicht oder am Fenster kann derselbe Proof deutlich anders wirken. Ein Metamerie-Indikator kann grobe Lichtabweichungen anzeigen; vollständige Normlicht-Konformität weist er nicht nach. Stand: 9. Oktober 2026.

Was ist D50?

D50 ist eine von der CIE definierte Normlichtart, die einem mittleren Tageslicht mit einer ähnlichsten Farbtemperatur von rund 5000 K entspricht. Sie ist in der grafischen Industrie Bezugspunkt für zwei Dinge: für die Berechnung von Farbwerten aus Messdaten (CIELAB, D50, 2° Normalbeobachter) und für die visuelle Abmusterung. Wenn Messung und Betrachtung auf dieselbe Lichtart bezogen sind, sind Messwert und Seheindruck besser vergleichbar; UV-Anteil und Metamerie bleiben zusätzliche Einflüsse.

Betrachtungsbedingungen nach ISO 3664

BedingungEinsatzHinweis
P1Kritischer Vergleich, etwa Proof neben Druckbogenhohe Beleuchtungsstärke; in ISO 3664:2009 2000 lx ± 500 lx
P2Praktische Beurteilung einzelner Drucke bei niedrigerer Beleuchtungsstärkein ISO 3664:2009 500 lx ± 125 lx
P3 / P4zusätzliche D50-Bedingungen ohne UV-Anteilneu in ISO 3664:2025

Zu den weiteren Anforderungen gehören ein neutrales, mattes Umfeld, eine gleichmäßige Ausleuchtung und eine blendfreie Geometrie: Licht von oben, Betrachtung unter etwa 45°. Der MedienStandard Druck des bvdm empfiehlt für die Abmusterung zusätzlich eine opake, mattweiße Unterlage ohne optische Aufheller. Die Fogra nennt für ihre Prüfung nach ISO 3664:2025 auch den Farbtreueindex Rf; prüfen Sie bei der Anschaffung einer Normlichtleuchte, nach welcher Ausgabe sie zertifiziert ist.

Warum UV-Anteil und Aufheller zusammenhängen

Viele Papiere enthalten optische Aufheller. Sie werden durch UV-Strahlung angeregt und lassen das Papier bläulich-weiß leuchten. Eine Normlichtleuchte mit physikalisch korrektem UV-Anteil zeigt diesen Effekt so, wie ihn die Messbedingung M1 erfasst. Die aktuellen Druckbedingungen FOGRA51 (PSO Coated v3) und FOGRA52 (PSO Uncoated v3) beruhen auf M1-Messungen. Unter einer Leuchte ohne UV-Anteil wirkt aufgehelltes Papier dagegen weniger bläulich-weiß. Für die älteren M0-Referenzen FOGRA39/47 empfiehlt der bvdm aufhellerfreie Proofsubstrate und UV-armes D50-Betrachtungslicht. ISO 3664:2025 beschreibt zusätzlich Bedingungen ohne UV-Anteil. Stimmen Sie die Betrachtungsbedingung passend zur Referenz mit der Druckerei ab.

Warum Bürolicht nicht geeignet ist

  • Farbtemperatur: Warmweiße Leuchtmittel um 2700 bis 3000 K lassen Gelb- und Rottöne dominieren, kaltweiße über 6000 K verstärken Blau.
  • Spektrum: Leuchtstoffröhren und viele LEDs haben ein lückenhaftes Spektrum. Zwei Farben, die unter D50 gleich aussehen, können darunter auseinanderfallen.
  • UV-Anteil: Bei aufgehellten Referenzen wie FOGRA51/52 fehlt ohne UV die vorgesehene Fluoreszenzwirkung. Für aufhellerfreie Referenzen kann dagegen eine UV-arme Bedingung passen.
  • Mischlicht: Tageslicht vom Fenster plus Deckenlicht ergibt eine unkontrollierte, wechselnde Beleuchtung.

Metamerie: wenn Farben nur unter einer Lichtart gleich sind

Metamerie bedeutet, dass zwei Proben unter einer Lichtart übereinstimmen und unter einer anderen nicht. Proof und Auflagendruck bestehen aus unterschiedlichen Farbmitteln – Inkjet-Tinten hier, Offsetfarben dort. Sie sind auf Übereinstimmung unter D50 abgestimmt. Unter anderem Licht können sie deshalb voneinander abweichen, obwohl beide korrekt sind. Deshalb ist eine Beurteilung nur unter Normlicht belastbar.

Einen schnellen Test bietet ein Metamerie-Indikator: Der Ugra Light Indicator Strip D50 besteht aus zwei Farbfeldern, deren Vergleich einen schnellen Hinweis auf die Eignung des Betrachtungslichts gibt. Unterschiedliche Feldfarben sind ein Warnsignal; gleiche Feldfarben belegen allein keine vollständige D50-Konformität. Bei proof-drucken.de gibt es den Streifen als Metamerie-Etikett zum Aufkleben auf den Proof und als Metamerie-Karte für den Arbeitsplatz.

Häufige Fragen zum Normlicht

Wie viel Kelvin hat Normlicht D50?

Rund 5000 Kelvin ähnlichste Farbtemperatur. Die Kelvin-Angabe allein beschreibt D50 aber nicht vollständig; entscheidend sind auch Spektrum und UV-Anteil.

Reicht eine Tageslichtlampe mit 5000 K?

Nicht unbedingt. Eine Lampe mit 5000 K kann ein ganz anderes Spektrum haben als D50. Für die Farbabmusterung brauchen Sie eine Leuchte, die die Anforderungen der ISO 3664 erfüllt. Ein Metamerie-Indikator kann einen ersten Hinweis auf Abweichungen geben; er weist nicht sämtliche Anforderungen der ISO 3664 nach.

Warum sieht mein Proof am Fenster anders aus?

Tageslicht ändert sich mit Uhrzeit, Wetter und Himmelsrichtung und ist meist kälter als D50. Proof-Tinten und Druckfarben können darauf unterschiedlich reagieren; dabei können metamere Unterschiede sichtbar werden.

Braucht ein Monitor auch D50?

Für den Vergleich von Monitor und Druck wird der Monitor üblicherweise auf einen D50-nahen Weißpunkt kalibriert. ISO 3664:2025 regelt Monitorbetrachtung nicht mehr; dafür gibt es ISO 12646 und ISO 14861.

Fachliche Quellen

Bestellen Sie Ihren Proof bei proof-drucken.de im Bestellprozess und legen Sie auf Wunsch ein Metamerie-Etikett zur Lichtkontrolle dazu.