Kurzantwort: Beim üblichen Inkjet-Proof wird ein geeignetes Proofsubstrat verwendet. Die Grenze von 3,0 ΔE00 betrifft das Papierweiß des fertig ausgegebenen Proofs gegenüber der Referenz. Schon das unbedruckte Substrat muss diese Papierweißsimulation ermöglichen. Der bvdm empfiehlt die Glanzwahl passend zum Auflagenbedruckstoff (MedienStandard Druck 2018, Tabellen 10 und 29). Die Fluoreszenzstufe ergibt sich aus der gewählten Druckbedingung. Bei proof-drucken.de wird auf 200 g/m² Proofpapier geprooft; im Shop wählen Sie die simulierte Druckbedingung. Stand: 13. Oktober 2026.
Der Proof soll farblich das spätere Druckergebnis simulieren, besteht aber aus einem anderen Material. Proofsysteme arbeiten mit Inkjet-Tinten auf geeignetem Spezialpapier, der Auflagendruck zum Beispiel mit Offsetfarben auf Bilderdruck-, Offset- oder Naturpapier. Entscheidend ist nicht, dass sich beide Papiere gleich anfühlen, sondern dass der Farbeindruck innerhalb der gewählten Druckbedingung messbar stimmt.
Anforderungen und bvdm-Empfehlungen zum Proofpapier
| Kriterium | Anforderung | Warum es zählt |
|---|---|---|
| Papierweiß | Simulation des Papierweißes der Druckbedingung mit höchstens 3,0 ΔE00, gemessen nach ISO 13655 | Das Weiß ist der Bezugspunkt aller Farben auf dem Bogen |
| Helligkeit (Erläuterung) | Die Kombination aus Substrat und Tinten muss das Referenzweiß nachbilden können | Ein dunkleres Papier lässt sich nicht aufhellen, nur ein helleres eintönen |
| Glanz | bvdm-Empfehlung: Glanzwahl passend zum Auflagenpapier (Tabellen 10 und 29) | Glanz verändert Kontrast und Tiefenwirkung |
| Optische Aufheller | Fluoreszenz passend zur vereinbarten Druckbedingung | Aufheller reagieren auf UV-Licht und verschieben das Weiß |
Papierweiß der Druckbedingungen
Jede Druckbedingung bringt ihr eigenes Soll-Papierweiß mit. Die Werte stammen aus den Fogra-Charakterisierungsdaten (CIELAB, D50, 2°):
| Druckbedingung | Charakterisierung | Papierweiß L* / a* / b* | Messbedingung |
|---|---|---|---|
| PSO Coated v3 | FOGRA51 | 95,0 / 1,5 / −6,0 | M1 |
| PSO Uncoated v3 | FOGRA52 | 93,5 / 2,5 / −10,0 | M1 |
| ISO Coated v2 | FOGRA39 | 95,0 / 0,0 / −2,0 | M0 (Daten vor Einführung von M1) |
| PSO Uncoated ISO12647 | FOGRA47 | 95,0 / 0,0 / −2,0 | M0 (Daten vor Einführung von M1) |
Der stärker negative b*-Wert bei FOGRA51 (−6) und FOGRA52 (−10) steht für den bläulichen Eindruck optisch aufgehellter Papiere. Der b*-Wert allein beweist allerdings keine Fluoreszenz. Der bvdm empfiehlt in den Tabellen 10 und 29 des MedienStandard Druck 2018, die Aufhellung des Proofpapiers passend zur simulierten Druckbedingung zu wählen. Aus den Referenzwerten berechnet liegen die Papierweiße von FOGRA51 und FOGRA52 rund 3,2 ΔE00 auseinander – das ist ein Vergleich zweier Referenzen, keine Toleranzprüfung. Geprüft wird jeweils ein fertiger Proof gegen seine eigene Referenz.
Für die älteren Druckbedingungen FOGRA39 und FOGRA47 empfiehlt der bvdm aufhellerfreie Proofsubstrate und eine farbmetrische Simulation der Papierfärbung samt bläulicher Aufhellerwirkung. Die historischen Referenzdaten sind unter M0 beschrieben; die Messauswertung muss diese Zuordnung berücksichtigen.
Farbabstand zum Papierweiß
Bei der Proofkontrolle wird das gemessene simulierte Papierweiß mit dem Soll-Papierweiß der vereinbarten Druckbedingung verglichen. Aus diesen beiden CIELAB-Farborten (D50, 2°) berechnet die CIEDE2000-Formel den Farbabstand ΔE00. Manchmal liest man dafür den Ausdruck „Distance to White“; nach unserem Kenntnisstand ist er kein genormter Fachbegriff der Proofkontrolle.
Das Papierweißfeld C21 des fertig ausgegebenen Ugra/Fogra-Medienkeils CMYK V3.0 liefert den Messwert, die Charakterisierungsdaten liefern die Referenz. Messbedingung und Messunterlage müssen zur Referenz passen (bvdm, MedienStandard Druck 2018, C.2.2 und Tabelle 27); gerade bei optischen Aufhellern dürfen M0- und M1-Werte nicht ungeprüft verglichen werden.

Optische Aufheller und Fluoreszenzstufen
Viele moderne Druck- und Proofpapiere enthalten optische Aufheller (Optical Brightening Agents, OBA). Sie wandeln UV-Strahlung in sichtbares blaues Licht um und lassen das Papier weißer wirken. ISO 12647-7:2016 ordnet Proofpapiere deshalb Fluoreszenzstufen zu, ermittelt über die D65-Helligkeit mit und ohne UV-Anteil (ΔB nach ISO 15397):
- aufhellerfrei: ΔB bis 1
- schwach: über 1 bis 4
- gering: über 4 bis 8
- mäßig: über 8 bis 14 – so ist das Referenzpapier von FOGRA51 eingestuft
- stark: über 14 bis 25 – so ist das Referenzpapier von FOGRA52 eingestuft
Damit Messung und Betrachtung zusammenpassen, gehören zu aufgehellten Papieren die Messbedingung M1 und eine Abmusterung unter Normlicht D50 mit UV-Anteil.
Proof auf Originalpapier?
Ein Inkjet-Proof auf dem späteren Auflagenpapier kommt nur infrage, wenn das Substrat für das Proofsystem geeignet ist und die Anforderungen nachweislich erfüllt werden. Bei ungeeigneten Offsetpapieren können Tintenaufnahme und Farbumfang verhindern, dass die geforderten Toleranzen eingehalten werden. Wenn Sie das Zusammenspiel aus Druckfarbe, Papier und Veredelung auf dem Originalmaterial sehen müssen, ist ein Andruck auf der Druckmaschine das richtige Mittel. Für Haptik, Volumen und Opazität genügt oft ein Papiermuster.
Was der Proof vom Papier zeigt und was nicht
Der Proof beantwortet die Frage: Stimmen Farbe, Kontrast und Bildwirkung für diese Druckbedingung? Er zeigt die Wirkung des Papierweißes, den kleineren Farbumfang ungestrichener Papiere und die Tiefen. Er bildet Glanz und Oberflächenwirkung des Auflagenpapiers nicht materialgetreu ab und zeigt nicht Griff, Dicke, Opazität, Falzverhalten oder das Wegschlagen der Druckfarbe ins Papier. Proof und Papiermuster ergänzen sich, ersetzen sich aber nicht.
Häufige Fragen zum Proofpapier
Auf welchem Papier wird ein Proof gedruckt?
Bei proof-drucken.de ist 200 g/m² Proofpapier angegeben; Sie wählen eine der vier angebotenen Druckbedingungen, etwa PSO Coated v3 oder PSO Uncoated v3. Eine freie Auswahl konkreter Papiersorten oder Glanzstufen bietet der Bestellprozess nicht.
Warum wird der Proof nicht auf meinem Auflagenpapier gedruckt?
Das Auflagenpapier passt häufig nicht zum Inkjet-Proofsystem. Eine geeignete Tintenaufnahme und Profilierung sind erforderlich; bestimmte Produktionssubstrate können grundsätzlich ebenfalls geeignet sein. Das Proofpapier simuliert stattdessen Papierweiß und Farbumfang der gewählten Referenzdruckbedingung; diese beschreibt nicht zwingend Ihr konkretes Auflagenpapier.
Wie genau muss das Papierweiß stimmen?
Der bvdm nennt in Tabelle 30 auf Basis der ISO 12647-7:2016 für das Papierweißfeld C21 höchstens 3,0 ΔE00 Abstand zur Referenz. Für die Auswahl des unbedruckten Proofpapiers nennt der bvdm in den Tabellen 10 und 29 Färbung, Fluoreszenz und Glanz als Kriterien. Das Prüflabel fasst die Toleranzbewertung zusammen; Einzelwerte enthält das optionale ausführliche Messprotokoll.
Was bedeutet „OBA“ beim Papier?
OBA steht für Optical Brightening Agents, also optische Aufheller. Sie lassen Papier unter UV-haltigem Licht bläulich-weiß leuchten. Bei den Referenzen FOGRA51 und FOGRA52 gehört die Aufhellung zur beschriebenen Druckbedingung; bei den älteren Referenzen FOGRA39 und FOGRA47 wird die bläuliche Papierfärbung gemäß bvdm farbmetrisch nachgestellt.
Kann ein Proof Naturpapier simulieren?
Ein geeigneter Proof kann ungestrichene Referenzdruckbedingungen wie PSO Uncoated v3 (FOGRA52) oder PSO Uncoated ISO12647 (FOGRA47) simulieren. Der Proof zeigt dann den kleineren Farbumfang und das Papierweiß der gewählten Referenz FOGRA47 beziehungsweise FOGRA52, nicht zwingend das Ihres konkreten Papiers und nicht dessen raue Oberfläche.
Fachliche Quellen
- Fogra: Originaldaten zum Papierweiß FOGRA39, 47, 51 und 52
- ISO 12647-7:2016 – offizieller ISO-Katalogeintrag zu digitalen Prüfdrucken
- ISO 13655:2017 – spektrale Messung und farbmetrische Berechnung
- ISO/CIE 11664-6:2022 – CIEDE2000-Farbabstandsformel
- ICC-Register: Charakterisierungsdaten FOGRA51 und FOGRA52
- ICC-Register: Charakterisierungsdaten FOGRA39 und FOGRA47
- bvdm: MedienStandard Druck 2018, Tabellen 10, 27, 29 und 30 (Proofsubstrate, Messbedingungen und Papierweißkontrolle)
Wählen Sie beim Proof bestellen einfach die Druckbedingung Ihrer Druckerei aus einer der vier angebotenen Referenzen. Eine freie Auswahl von Papiersorte oder Glanzstufe gibt es im Shop nicht.
