Das Fogra Forschungsinstitut für Medientechnologien e.V. stellt unter anderem Charakterisierungsdaten und Kontrollmittel für die Druckproduktion bereit. Beim Proof helfen diese Daten, die zu simulierende Druckbedingung eindeutig zu beschreiben. Die Anforderungen an gedruckte Contract Proofs stehen in ISO 12647-7; Fogra bietet dazu Prüfungen und Zertifizierungen an.
FOGRA39, FOGRA51 und FOGRA52 bezeichnen Charakterisierungsdaten für unterschiedliche Druckbedingungen. Solche Daten verknüpfen Steuerwerte, beispielsweise CMYK, mit gemessenen Farbwerten. Sie sind keine ICC-Profile. Die European Color Initiative (ECI) veröffentlicht darauf aufbauende ICC-Profile, darunter ISO Coated v2 und PSO Coated v3. Auch andere Anbieter können Profile aus denselben Referenzdaten erstellen; deren Separationseigenschaften können sich unterscheiden.
Was bedeutet Fogra-Proof?
Wenn Sie einen Fogra-Proof bestellen möchten, klären Sie zunächst die gewünschte Druckbedingung. Die allgemeine Bezeichnung nennt noch kein bestimmtes Profil und kein Prüfergebnis. Benötigt Ihre Druckerei beispielsweise PSO Coated v3, gehört dazu die Referenz FOGRA51. Ein Proof für ISO Coated v2 beruht dagegen auf FOGRA39. Entscheidend ist die Vorgabe für den konkreten Auftrag, nicht allein die höhere Nummer der Referenz.
Wie wird die Farbwiedergabe geprüft?
Ein Proof nach Fogra-Standard wird nicht nur gedruckt, sondern kontrolliert. Entscheidend sind vier Bausteine:
- Der Proof simuliert eine konkrete Druckbedingung, zum Beispiel gestrichenes oder ungestrichenes Papier.
- Ein UGRA/Fogra-Medienkeil wird zusammen mit dem Motiv ausgegeben.
- Die Farbfelder des Medienkeils werden mit einem Spektralfotometer vermessen.
- Das Prüfprotokoll weist nach, ob die gemessenen Werte innerhalb der Toleranzen nach ISO 12647-7 liegen.
Die Messung macht die Farbabweichungen gegenüber der Referenz objektiv bewertbar. Ein optisch überzeugender Ausdruck allein weist nicht nach, dass die festgelegten Toleranzen eingehalten werden. Der Medienkeil ist ein Kontrollmittel; die vollständigen Anforderungen an einen Contract Proof gehen über die Prüfung dieses Streifens hinaus.
Messprüfung und Fogra-Zertifizierung unterscheiden
Der gemessene Medienkeil dokumentiert die Farbprüfung des einzelnen Ausdrucks. Eine CPC-Zertifizierung der Fogra betrifft dagegen die Qualifikation eines Dienstleisters zur Contract-Proof-Erstellung unter den geprüften Bedingungen. Ein Fogra-Profil oder ein bestandener Medienkeil ist allein kein Nachweis dieser Betriebszertifizierung. Soll eine Zertifizierung Bestandteil Ihres Auftrags sein, prüfen Sie das aktuelle Zertifikat und dessen Geltungsbereich.
Wichtige Fogra-Referenzen
Für den europäischen Markt sind mehrere Fogra-Referenzen besonders verbreitet. Die Auswahl hängt davon ab, welches Papier und welcher Produktionsstandard später verwendet werden:
- Fogra 39 / ISO Coated v2: klassische Referenz für gestrichenes Bilderdruckpapier im Bogenoffset. In vielen bestehenden Workflows weiterhin verbreitet.
- Fogra 51 / PSO Coated v3: moderner Standard für gestrichene Papiere nach ISO 12647-2:2013, unter anderem mit anderer Messbedingung und stärkerer Berücksichtigung optischer Aufheller.
- Fogra 47 / PSO Uncoated: Referenz für ungestrichene Natur- und Offsetpapiere.
- Fogra 52 / PSO Uncoated v3: neuerer Standard für ungestrichene Papiere nach aktuellem ProzessStandard Offsetdruck.
Warum ist der Standard für den Proof so wichtig?
Ein Proof ist immer nur so aussagekräftig wie die Zielbedingung, die er simuliert. Wird eine Datei für gestrichenes Papier mit einem Profil für ungestrichenes Papier geprooft, wirkt das Ergebnis anders: geringerer Kontrast, andere Tiefenzeichnung, anderer Papierweißpunkt und ein kleinerer druckbarer Farbraum. Umgekehrt kann ein Proof für gestrichenes Papier Erwartungen wecken, die auf Naturpapier später nicht erreichbar sind.
Der Fogra-Standard schafft hier Vergleichbarkeit. Eine Agentur in Hamburg, eine Druckerei in Bretten und ein Kunde in Wien können denselben Proof beurteilen, wenn klar ist, welche Fogra-Referenz verwendet wurde und ob der Medienkeil bestanden hat. Das reduziert Diskussionen über subjektive Farbeindrücke und macht Freigaben nachvollziehbar.
Fogra, ISO und PSO: der Zusammenhang
Fogra, ISO 12647 und PSO werden häufig gemeinsam genannt, meinen aber nicht exakt dasselbe. Die ISO beschreibt internationale Anforderungen und Toleranzen. Der ProzessStandard Offsetdruck (PSO) überträgt diese Anforderungen in praktische Druckprozesse. Die Fogra liefert Charakterisierungsdaten, Prüfmittel und Forschungsergebnisse, auf denen viele Profile und Kontrollverfahren beruhen. Für Sie als Auftraggeber ist wichtig: Auf dem Proof sollten Profil, Fogra-Referenz, Messbedingung und Prüfergebnis klar dokumentiert sein.
In der Praxis lohnt sich der Blick auf diese Angaben besonders bei Wiederholaufträgen. Wenn ein früherer Auftrag nach Fogra 39 freigegeben wurde, ein neuer Proof aber nach Fogra 51 erstellt wird, können sichtbare Unterschiede entstehen, obwohl beide Standards fachlich korrekt sind. Für Serien, Verpackungen, Kataloge oder Markenfarben sollte deshalb vorab festgelegt werden, welcher Standard verbindlich ist.
Wenn Ihre Druckerei noch kein konkretes Profil vorgegeben hat, stimmen Sie Papier, Druckverfahren und Produktionsstandard vor der Bestellung ab. Entscheiden Sie nicht allein nach Bezeichnungen wie „gestrichen“ oder „Naturpapier“. Der Beitrag Welches Proofprofil brauche ich? erläutert die Auswahl für den Auftrag.
