Ein Proof simuliert nicht einfach „Druck“, sondern eine konkrete Druckbedingung. Diese Druckbedingung entsteht aus Druckverfahren, Papier oder Substrat, Farbaufbau, Messbedingung und ICC-Profil. Deshalb ist die wichtigste Frage vor dem Proof: Wie und worauf wird später produziert?
Dieser Beitrag dient als Orientierung zwischen den wichtigsten Druckverfahren. Für die praktische Bestellung bleibt die Profilvorgabe der Druckerei entscheidend. Wenn sie ein Profil nennt, hat diese Vorgabe Vorrang.
Offsetdruck
Für klassische Drucksachen auf Papier ist Offsetdruck weiterhin der häufigste Referenzprozess. Hier passen je nach Papier häufig ISO Coated v2 / FOGRA39, PSO Coated v3 / FOGRA51, PSO Uncoated / FOGRA47 oder PSO Uncoated v3 / FOGRA52. Die Auswahl hängt vor allem davon ab, ob auf gestrichenem, ungestrichenem oder modern aufgehelltem Papier gedruckt wird.
Digitaldruck
Digitaldruck ist vielfältiger als viele denken. Toner, Inkjet, Flüssigtoner, UV-Inkjet, Large Format und Etikettendruck können sehr unterschiedliche Farbräume und Materialien nutzen. Ein Proof ist sinnvoll, wenn das Zielprofil bekannt ist oder ein Standardprofil als gemeinsame Farbreferenz genutzt werden soll. Mehr dazu steht im Beitrag Proof für den Digitaldruck.
Verpackungsdruck
Im Verpackungsdruck kommen Offset, Flexodruck, Tiefdruck, Digitaldruck und hybride Workflows vor. Dazu kommen Sonderfarben, Lacke, Folien, Stanzkonturen, Weißdruck und technische Ebenen. Der Proof ist hier besonders wertvoll, weil er Farbe, Bildwirkung, Sonderfarben-Simulation und Layout vor der Produktion sichtbar macht. Mehr dazu steht im Beitrag Proof für Verpackungsdruck.
Flexodruck und Tiefdruck
Flexodruck und Tiefdruck werden häufig für Verpackungen, Etiketten und flexible Materialien eingesetzt. Die Farbwiedergabe hängt stark von Maschine, Rasterung, Druckform, Farbe und Substrat ab. Wenn ein Verpackungsdrucker ein eigenes ICC-Profil oder eine konkrete Charakterisierungsdatei vorgibt, sollte der Proof darauf abgestimmt werden. Ohne solche Vorgabe ist ein Standard-CMYK-Proof eine gute Freigabereferenz, aber keine vollständige Simulation jeder Maschinenbedingung.
Welche Angaben sind vor dem Proof wichtig?
- Druckverfahren: Offset, Digitaldruck, Flexo, Tiefdruck oder Verpackungsdruck.
- Papier oder Substrat: gestrichen, ungestrichen, Karton, Naturpapier, Folie oder spezielles Material.
- Profilvorgabe: zum Beispiel PSO Coated v3, ISO Coated v2 oder ein kundenspezifisches ICC-Profil.
- Sonderfarben: Pantone, HKS, Lack, Stanze, Weiß oder technische Farben sauber benennen.
- Verwendungszweck: interne Abstimmung, Kundenfreigabe, Verpackungsfreigabe oder Druckereireferenz.
Je genauer die Zielbedingung beschrieben ist, desto besser kann der Proof als verbindliche Referenz dienen. Wenn keine genaue Vorgabe existiert, ist die beste erste Frage: Auf welchem Papier oder Material wird später gedruckt?
